Osteopathie
Die Osteopathie (griechisch osteon = Knochen und pathos = Krankheit, Leiden) wurde vor über 100 Jahren durch den amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still begründet. Still hatte erkannt, dass alle Krankheiten und Funktionsstörungen mit Problemen im Bewegungsapparat und im besonderen mit Bewegungseinschränkungen der Wirbelsäule einhergehen. Osteopathie bedeutet also die „Krankheit (pathos), welche aus dem Knochen (osteon) kommt“. Still begründete die Osteopathie in Ablehnung der damals ausgeübten Medizin, er wollte damit den Menschen wieder in den Mittelpunkt stellen und die Naturgesetze in den Vordergrund rücken. Aufgrund seiner Erfahrung als praktizierender Arzt wusste Still, dass bei einer ausschließlichen Behandlung der Symptome keine Heilung möglich ist.
Stills Erkenntnisse, die bis heute das Fundament der osteopathischen Medizin darstellen, lassen sich zu 5 Prinzipien zusammenfassen:
- der Mensch wird als eine Einheit betrachtet
- Struktur und Funktion beeinflussen sich gegenseitig (Fehlhaltungen etwa können zu anatomischen Veränderungen führen, Narben können beispielsweise die Beweglichkeit von Organstrukturen verschlechtern)
- eine gute Zirkulation im Körper ist von großer Wichtigkeit
- Bewegung ist von grundlegender Bedeutung für alle Körperstrukturen
- der Körper besitzt große Selbstheilungskräfte.
Die Osteopathie wird in drei Teilbereiche gegliedert: die strukturelle Osteopathie (Behandlung des Bewegungsapparates), die viscerale Osteopathie (Behandlung der inneren Organe) und die craniosakrale Osteopathie (Behandlung des rhythmischen Systems zwischen lat. cranium = Schädel und lat. os sacrum = Kreuzbein). Damit der menschliche Körper optimal funktioniert, ist ein harmonischer Gleichklang zwischen den drei Teilbereichen strukturell, visceral und craniosakral nötig.
Die vielfältigen Therapieansätze der Osteopathie ermöglichen es, die verschiedensten Beschwerden zu behandeln. Beispielsweise wird die strukturelle Osteopathie als alleinige Therapie oder als Begleittherapie eingesetzt bei Bewegungseinschränkungen von Gelenken und Wirbelsäulenabschnitten, akuten und chronischen Schmerzzuständen (Rückenschmerzen, Migräne, Kopfschmerzen etc.), Verletzungen (Stauchung, Zerrung, Muskelfaserriss etc.) und anderen Beschwerden. Die Osteopathie kann auch vorbeugend angewandt werden, um künftige Probleme zu vermeiden.
Der Therapeut bewirkt dabei eine Heilung oder Linderung nicht direkt, sondern indem er mit seinen Händen die Selbstheilungskräfte des Körpers anregt. Daher sind auch die Grenzen der Osteopathie dort zu sehen, wo die Selbstheilungskräfte des Patienten nicht mehr ausreichen, um gesund zu werden, wie dies beispielsweise bei Knochenbrüchen, Tumoren, seelischen Erkrankungen und Infektionen der Fall sein kann.